Wir für Göttingen

Seit dem Beginn der Bundesrepublik hat Göttingen einige SPD-Oberbürgermeister erlebt, die unsere Stadt geprägt haben. Ein paar davon möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen:
1946-1947
| Heinrich Düker
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1947-1948
| Franz Arnholdt
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1966-1973
| Walter Leßner
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1973-1981
| Artur Levi
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1986-1991
| Artur Levi
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1991-2000
| Rainer Kallmann
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2006-
| Wolfgang Meyer
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Heinrich Düker
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 Bildquelle: Prof. Dr. Peter Schmuck
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Heinrich Düker zählt zu den wenigen deutschen Wissenschaftlern, die während der nationalsozialistischen Zeit aktiven Widerstand gegen das Hitler-Regime geleistet haben. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Zivilcourage war Düker nach Kriegsende ein Jahr Oberbürgermeister der Stadt Göttingen. 1947 übernahm er einen Lehrstuhl in Marburg.
Ausgewählte Details aus seiner Biographie: Düker wurde 1898 als Kind einer niedersächsischen Bauernfamilie in Dassel geboren. Im ersten Weltkrieg trug er eine Beinverletzung davon. In den 20er Jahren studierte, promovierte und habilitierte er im Göttinger Institut bei Narziß. Im März 1933 wurde gegen den Privatdozenten Düker ein Dienststrafverfahren eingeleitet wegen des Verdachts der Nähe zur kommunistischen Partei, Austritts aus der Landeskirche sowie Beziehungen zum Internationalen Kampfbund. Das Strafverfahren wurde eingestellt, nachdem Düker von Studenten und selbst von einem Vertreter der NSDAP (Scholer) ein aufrichtiger Charakter bescheinigt wurde. Trotz dieses Verfahrens war Düker weiter aktiv. Im Mai 1934 druckte er antinazistische Flugblätter im Arbeitsraum des psychologischen Instituts und verteilte sie in Göttingen. Im Januar 1936 wurde Düker verhaftet, wegen Hochverrats angeklagt und zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Ihm wurde die venia legendi wegen "Unwürdigkeit" entzogen. Haft verbüßte er in Wolfenbüttel. Von 1939 bis 1944 arbeitete er in der Berliner Schering AG als Pharmakopsychologe. Von seinem Verdienst unterstützte er verfolgte Nazi-Gegner. 1944 hielt sich Düker kurze Zeit in Göttingen auf - er wurde denunziert, verhaftet und verbrachte die Zeit bis zum Kriegsende im Konzentrationslager Sachsenhausen. Im Herbst 1946 wurde er zum ersten frei gewählten Oberbürgermeister Göttingens nach Kriegsende. 1947 verzichtete er auf eine Wiederwahl und verließ seine Heimatregion, um einen Ruf auf eine Professur in Marburg anzunehmen.

Walter Leßner
Geboren am 5.1.1909 in Holtensen. Nach dem Abitur Studium an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt am Main; ab 1930 Lehrertätigkeit in Göttingen. 1933 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von den Nationalsozialisten aus dem Schuldienst entlassen; muss seinen Unterhalt mit Gelegenheitsarbeiten verdienen. Erst 1937 erneut Volksschullehrer, ab 1939 Realschullehrer. 1941 Wehrdienst, Gefangenschaft. Nach Kriegsende Wiederaufnahme der pädagogischen Arbeit; 1955 Konrektor an der Gerhart-Hauptmann-Realschule.
1931 Eintritt in die SPD. 1956 erste Wahl in den Rat der Stadt Göttingen, wo er u.a. im Verwaltungs-, Bau- und Schulausschuss arbeitet. 1961 Wahl zum 1. Bürgermeister, 1966 Wahl zum ehrenamtlichen Oberbürgermeister, Wiederwahl von 1968 bis 1973.

Artur Levi
Geboren am 28.8.1922 in München. Schulbesuch, bis zur Emigration 1938 nach Großbritannien aufgrund der wachsenden Verfolgung der jüdischen Bürger Deutschlands. Viele Mitglieder seiner Familie überleben den Holocaust nicht.
In Großbritannien arbeitet er an der Metallbörse; später wird er zum Feinmechaniker ausgebildet.
Kontakte zu den in Großbritannien lebenden ISK-Mitgliedern machen ihn mit dem ethischen Sozialismus Leonard Nelsons bekannt. Die Zusammenarbeit mit dem britischen Nelson-Kreis bewegt ihn zur frühen Rückkehr nach Deutschland 1946, für die er auf seine Rückkehrrechte nach Großbritannien verzichten muss.
1945 Eintritt in die Labour Party, 1946 Wechsel in die SPD.
Arbeit als Jugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Göttingen, zeitweise auch Bundesjugendsekretär des DGB in Düsseldorf.
Studium an der Pädagogischen Hochschule Göttingen; von 1952 bis 1961 Lehrer. Ab 1961 Lehrtätigkeit im neu eingerichteten Fach Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Göttingen. Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christian Graf von Krockow.
1956 erstmalig in den Rat gewählt. 1956-1973 Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. Oberbürgermeister von 1973 bis 1981 und 1986 bis 1991;
1981-1986 2. Bürgermeister.
Ehrendoktor des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Universität Göttingen.
Ehrenbürger der Stadt Göttingen seit 1993.
Während Artur Levis Amtszeit als Fraktionsvorsitzender wird die SPD zur bestimmenden Kraft der Göttinger Kommunalpolitik. Sein sehr persönlicher Beitrag zur Göttinger Kommunalpolitik ist sein Engagement für die Städtepartnerschaften, die er als Basis einer Politik der Aussöhnung ansieht. Vor allem die Partnerschaft mit Thorn/Torun erfährt seine Unterstützung.

Rainer Kallmann
Geboren am 3.7.1941 in Heilbronn; durch den Bombenkrieg 1944 nach Wildeshausen bei Oldenburg evakuiert. Abitur in Delmenhorst. Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen; 1. und 2. Staatsexamen; Promotion. Als Staatsanwalt und Richter tätig; seit 1984 Vorsitzender Richter.
1969 Eintritt in die SPD. Aktive Mitarbeit im Stadtbezirk Ost, zeitweise Vorsitzender, und in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen. 1974 in den Rat der Stadt Göttingen nachgerückt, ununterbrochen bis 2001 Ratsherr. Von 1978 bis 1985 Fraktionsvorsitzender und von 2000 bis 2001. Oberbürgermeister von 1991 bis 2000.
Zahlreiche Ehrenämter in Kulturorganisationen.
Rainer Kallmann engagierte sich kommunalpolitisch in der Finanzpolitik und als Förderer eines breiten kulturellen Angebots der Stadt.

Wolfgang Meyer
Geboren am 26. April 1948 in Springe am Deister. Nach dem Abitur im Jahr 1967 und dem Grundwehrdienst in Bayreuth und Schwanewede, folgt ab 1969 das Jurastudium an der Göttinger Universität. Nach dem bestandenen Staatsexamen arbeitet Meyer in den Jahren nach 1976 auf unterschiedlichen Richterstellen in Hannover und Göttingen. Im Jahr 1979 erfolgt die Ernennung zum Richter am Amtsgericht Göttingen, an dem er bis 1991 in den Bereichen Straf-, Zivil- und Konkursrecht tätig ist.
1981 wird Wolfgang Meyer zum ersten Mal für die SPD in den Rat der Stadt Göttingen gewählt. Von 1984 bis 1991 amtiert er als Vorsitzender der sozialdemokratischen Ratsfraktion. Mit der Wahl zum Rechtsdezernenten wechselt er 1991 in die Göttinger Stadtverwaltung. 2002 erfolgt seine Wiederwahl. Im Januar 2006 stellt ihn die Göttinger SPD als ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl auf. Im September desselben Jahres gewinnt Wolfgang Meyer die Stichwahl mit 68,9 % gegen den CDU-Kandidaten Daniel Helberg.
Unter den Bedingungen der allgemein angespannten Finanzsituation deutscher Kommunen bemüht sich der Oberbürgermeister seitdem erfolgreich darum, politische Schwerpunkte zu setzen: Im Mittelpunkt stehen dabei der weitere Ausbau der Kinderbetreuung und der Ganztagsschulen; die Wirtschaftsförderungen (u. a. Erweiterung des Logistikstandorts Göttingen); die Sanierung und Modernisierung der Innenstadt sowie der Klimaschutz und die Integrationspolitik.


Quelle: 1873-2003, 130 Jahre Sozialdemokratie in Göttingen,
herausgegeben von Klaus Wettig, Verlag Die Werkstatt